Monthly Archives: January 2014

swi: Der Brand oder Von dem, was bleibt.

–        „Es brennt im Hinterhof!“

Ein stilles Silvester, das war der Plan gewesen. Sie hatte gekocht. Drei komplizierte Gänge, nur für sich allein. Vier Stunden hatte sie in der Küche verbracht, in schlabbrigen Jogginghosen, mit selbstgestrickten Filzpatschen an den Füßen und mit purer Gemütlichkeit. Laute Musik, gutes Essen und bitte, bitte keine Menschenmassen.

Dieses Jahr wollte sie ganz allein feiern. Und während alle anderen aufgeregt ihre Party planten („Wenn wir zum Brandenburger Tor wollen…“ – „Ey, was für’n Berliner bist du denn?! Das ist nur was für Touris!“ – „Aber das Feuerwerk…“ – „Lass uns lieber in’n Club gehen““ – „Aber das Feuerwerk…“), hatte sie durch Kochbücher geblättert und in sich hinein gegrinst. In diesem Jahr würde sie Feuerwerk sehen, entspannt und ganz oben aus dem 5. Stock, in ihrer Hinterhofwohnung.

Es war nach 22 Uhr als sie es sich zum Nachtisch in ihrem Lieblingssessel bequem machte und die „Dinner For One“-DVD anstellte. Die anderen würden jetzt in der Schlange vorm Berghain warten. Oder vorm SchwuZ oder vorm Silver Wings oder wo auch immer. Sie würden in ihren Partykleidchen frieren, von einem Bein aufs andere treten und drinnen wie die geräucherten Sardinen um einen Platz auf der Tanzfläche rangeln. Sie angelte nach ihrer Kuscheldecke.

Um 23 Uhr war der Nachtisch alle. Draußen böllerten und knallten sie schon wie blöde. Froren sich dabei den Arsch ab, sprengten sich die Finger weg und soffen sich ihren Neujahrskater an. Pah! Sie ging in die Küche, um in aller Ruhe die Dessertrührschüssel auszuschlecken.

Doch als eine Viertelstunde später mitten im Abwasch ihr Handy klingelte, stürzte sie sich auf den kleinen Apparat und nahm ab, ohne sich die Hände abzutrocknen: Sarah war dran, eine Freundin, die nur ein paar Straßen weiter wohnte. „Wir machen eine Küchentanzparty, kommst du vorbei?“ Tanzen, gute Musik, Menschen, an denen ihr etwas lag… hm. Ein Blick auf die Uhr: Noch 39 Minuten. Das würde sie schaffen! „Ich bin gleich da, zieh mir nur noch kurz was an!“

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