Monthly Archives: February 2015

swi: Silly Swingers.

Die junge Frau vor mir hat ihren Einkauf immer noch nicht auf das Laufband gelegt, langsam wird der Platz knapp.

Ich stapele drei Pizzaschachteln, einmal Lasagne, die Currywurst und zwei Pakete Tiefkühlpaella eng nebeneinander auf, aber erst, als die Kassiererin schon nach meiner Pizza Funghi greifen will, leert die Frau den Inhalt ihres Einkaufskorbs aus: Hirsestangen für Kanarienvögel, zwei Gurken, drei Tiefkühlbaguettes, eine italienische Salami und eine Dr. Best Zahnbürste poltern aufs Band. Und eine Schachtel Kondome. In diesem Zusammenhang sieht plötzlich alles Gekaufte phallusförmig aus, denke ich und muss grinsen, während ich mich nach dem Sixpack in meinem Einkaufswagen bücke.

Als wenn sie meine Gedanken gelesen hätte, wird die junge Frau rot. Es gelingt ihr nicht, den Einkaufskorb akkurat auf den Turm seiner bereits abgestellten Vorgänger zu setzen, er stellt sich quer und sie kann ihn nur mit einem Ruck an seinen Platz zwingen. Ihr Gesicht rötet sich noch mehr und ihre Bewegungen sind hastig.

Die Kassiererin verzieht keine Miene. Sie zieht sämtliche Artikel ebenso stoisch über den Piepser wie sie die Schnapsflaschen des älteren Herrn davor abkassiert hat und ihr „achtzehneurovierndreißig“ klingt nicht im entferntesten danach, als wolle sie noch ein „schönes Wochenende“ oder gar „viel Spaß“ anhängen. Sie macht einfach nur ihren Job, ihren Scheißjob möchte man sagen, wenn man ihr Gesicht so sieht.

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swi: Creep (Teil 6).

Teil 5.

Blu3yedPenfr3ak sagt:
“Ich wette, an Einladungen dafür kommt man nur mit den richtigen Beziehungen oder viel Geld. Falls du aber mal eine Benefizveranstaltung machst, wär ich gern dabei.”

Ich erinnere mich: Das habe ich schon einmal gelesen, geantwortet habe ich nicht. Es ist Monate her, dass ich meinen Blogreader zuletzt geöffnet hatte, seitdem habe ich weder mitgelesen, noch kommentiert, es ist einfach zu viel passiert in der Zwischenzeit.

Zu viel passiert? Ich korrigiere: Eigentlich ist gar nichts passiert. Oder eher: das Übliche. Das übliche Kind-mit-Fieber, mit Husten, mit Erkältung, die Jobsuche, das übliche Trial-and-Error mit Jon und der übliche Fall ins Nichts danach. Ich sollte Benefizveranstaltungen für mich selber machen, lieber Blu3yedPenfr3ak, gebrauchen könnte ich es wirklich.

Hm. Ob ich jetzt noch antworten soll? Das, was damals der Anfang eines kleinen Flirts hätte werden können, ist nichts, was sich über Monate hält – es gibt ja nichts, woran man anknüpfen könnte. Mini-Moritz schläft tief und ich lese die alten Kommentare noch einmal. Viele sind es nicht. Das vage Gefühl, Blu3yedPenfr3ak zu kennen, enstand offenbar mehr aus der Zeit als aus dem Inhalt. Seinen Avatar hat er geändert, sehe ich, jetzt ist es eine Zeichnung, aber die wenigen Striche geben nicht viel mehr preis als der Comicheld davor.

Auf seinem Blog ist immer noch alles passwortgesichert – halt, nein, da ist ein Artikel, den ich lesen kann. Er ist schon ein paar Wochen alt, etwa aus der Zeit, als ich die Blogwelt verlassen hatte. “Digitale Ehrlichkeit” heißt er, eigentlich gar nicht mein Thema, aber aus dem Babyphon dringt nichts als Stille und ich bin noch immer nicht müde. Ich fange an zu lesen.

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