Tag Archives: musik

swi: Creep (Teil 6).

Teil 5.

Blu3yedPenfr3ak sagt:
“Ich wette, an Einladungen dafür kommt man nur mit den richtigen Beziehungen oder viel Geld. Falls du aber mal eine Benefizveranstaltung machst, wär ich gern dabei.”

Ich erinnere mich: Das habe ich schon einmal gelesen, geantwortet habe ich nicht. Es ist Monate her, dass ich meinen Blogreader zuletzt geöffnet hatte, seitdem habe ich weder mitgelesen, noch kommentiert, es ist einfach zu viel passiert in der Zwischenzeit.

Zu viel passiert? Ich korrigiere: Eigentlich ist gar nichts passiert. Oder eher: das Übliche. Das übliche Kind-mit-Fieber, mit Husten, mit Erkältung, die Jobsuche, das übliche Trial-and-Error mit Jon und der übliche Fall ins Nichts danach. Ich sollte Benefizveranstaltungen für mich selber machen, lieber Blu3yedPenfr3ak, gebrauchen könnte ich es wirklich.

Hm. Ob ich jetzt noch antworten soll? Das, was damals der Anfang eines kleinen Flirts hätte werden können, ist nichts, was sich über Monate hält – es gibt ja nichts, woran man anknüpfen könnte. Mini-Moritz schläft tief und ich lese die alten Kommentare noch einmal. Viele sind es nicht. Das vage Gefühl, Blu3yedPenfr3ak zu kennen, enstand offenbar mehr aus der Zeit als aus dem Inhalt. Seinen Avatar hat er geändert, sehe ich, jetzt ist es eine Zeichnung, aber die wenigen Striche geben nicht viel mehr preis als der Comicheld davor.

Auf seinem Blog ist immer noch alles passwortgesichert – halt, nein, da ist ein Artikel, den ich lesen kann. Er ist schon ein paar Wochen alt, etwa aus der Zeit, als ich die Blogwelt verlassen hatte. “Digitale Ehrlichkeit” heißt er, eigentlich gar nicht mein Thema, aber aus dem Babyphon dringt nichts als Stille und ich bin noch immer nicht müde. Ich fange an zu lesen.

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swi: Creep (Teil 4).

Teil 3

Blu3yedPenfr3ak sagt:

“Ich bin sicher, dein Publikum war hin und weg. Auf welcher Bühne kann man dich denn demnächst bewundern?”

Wow, dann habe ich ja jetzt wohl einen Fan. Den ersten, seit langem.

Früher war ich in der Blogwelt mal sehr aktiv, heute schreibe ich ja nur hier und da noch mal ein paar Kommentare bei Leuten, die ich im wahren Leben kenne und mag. Früher war das mal anders. Da wollte ich noch Geschichten erzählen, dass der Welt der Mund offenstehen bleibt. Geschichten, die es wert sind zwischen zwei Buchdeckeln nach Hause getragen zu werden, und die verschlungen werden in der Badewanne, im Bett, auf dem Balkon. Eigentlich.

Alles, was ich jetzt erzähle, sind Gute-Nacht-Märchen für Mini-Moritz, die er noch nicht mal versteht, aber bei denen seine kleine Hand meinen Zeigefinger umfasst und festhält, bis die Geschichte vorbei ist. Und jetzt kommt hier einer und will mich auf Bühnen bewundern. Der Spinner.

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JDC: Creep (Teil 3)

Teil 2

GinaGrrl sagt:
“Ich hab ihn sogar selbst gesungen, selbst ist die Frau, stimmt’s?”

Ihr Kommentar hatte mich zum Nachdenken gebracht. Selbst gesungen? Das klang selbstbewusst, aber nicht eingebildet. Machte sie das etwa öfter? Oder war es vielleicht nur ein Wunsch von ihr?

Es dauerte eine Weile, aber ich habe mich tatsächlich daran gemacht und das Netz durchsucht: DSDS, Supertalent, Voice, Popstars… doch ohne Erfolg. Keine der Teilnehmerinnen sah ihrem Bild auch nur entfernt ähnlich.

Wieder dachte ich nach. Was, wenn es gar nicht um das Singen ging, sondern um den Supermodel-Song? Wieder suchte ich, brauchte dieses Mal noch länger. GNTM hatte Stunden an verfügbaren Videos. Sie alle anzuschauen dauerte seine Zeit; am Ende überflog ich sie nur noch im Schnelldurchlauf.

Doch sie entdeckte ich nirgends; wohl gab es da eine Gina, aber die sah ihr Gott sei Dank nicht im geringsten ähnlich.

Wo also war es, das GinaGrrl? Ich wollte diesen Kontakt nicht abreissen lassen. Letztendlich blieb mir nur eines: ich würde sie selbst fragen müssen.

Blu3yedPenfr3ak sagt:
“Ich bin sicher, dein Publikum war hin und weg. Auf welcher Bühne kann man dich denn demnächst bewundern?”

swi: Creep (Teil 2).

Teil 1.

Kaum habe ich meinen Kommentar abgeschickt, gibt es ein Pling! Und eine Antwort von jemandem namens Blu3yedPenfr3ak. Ouh, da hat sich aber einer Mühe gemacht mit seinem Nick, ich brauch gar nicht genauer auf das Avatar-Bild mit der Comicfigur gucken, um zu wissen, dass der Typ ein Nerd sein muss.

„Front Stage für dich.“ – Alter, wenn du wüsstest, dass ich die ganze letzte Nacht mit einem schreienden Säugling im Auto durch die Gegend gekurvt bin. Mein Supermodel-Song heißt bestenfalls „Lalelu“, das sing ich Mini-Moritz nämlich pausenlos vor auf diesen Rundfahrten. Apropos… ich glaube, der Mittagsschlaf scheint vorbei zu sein, wenn ich das Gemecker aus dem Kinderzimmer richtig deute. Ich geh mal lieber nachsehen, bevor er sich wieder blauschreit.

Der Nachmittag vergeht mit Windeln wechseln, Kinderarzt und Impfgeschrei, Breichen kochen und selbiges von den Küchenmöbeln kratzen. Scheiße, ich wünschte wirklich, Jon wäre hier. Immerhin ist Moritz auch sein Sohn. Immerhin haben wir gemeinsam beschlossen, ihn zu bekommen, auch wenn es zwischen uns nicht mehr lief. Immerhin… verdammt, wenn ich soweit gedacht habe, muss ich jedes Mal heulen. Weiter komme ich nicht. Ich denke nur: Immerhin. Und wische und putze und wasche und fahre nachts mit einem zahnenden Zwerg durch leergefegte Straßen bis ich Angst habe, im Sekundenschlaf gegen den nächsten Brückenpfeiler zu brettern.

Dass der Computer noch läuft, merke ich erst als ich spätabends endlich ins Bett gehen will. Blu3yedPenfr3ak, was hast du schon für eine Ahnung von meinem Leben?

GinaGrrl schreibt:

„Ich hab ihn sogar selbst gesungen, selbst ist die Frau, stimmt’s? Gute Nacht allerseits.

JDC: Creep (Teil 1)

Eigentlich bin ich nicht so der Fan von Johnny Borrell. Aber ich hatte die Chance und war auf das Konzert gegangen. Als dann das kleine Signal in der Ecke des Bildschirms auftauchte und mir per Newsfeed mitteilte, dass in einem meiner Lieblingsblogs ein Bericht dazu aufgetaucht war, konnte ich nicht anders, als ihn sofort zu lesen. Ich mochte den Blog und mir gefiel der Schreibstil des Bloggers, also versprach ich mir einiges vom Bericht.

Ich wurde nicht enttäuscht: knackig und unterhaltsam geschrieben gab er ziemlich treffend das Feeling wieder, das ich selbst in der Menge verspürt hatte. Über seinen Absatz der besonders enthusiastischen Fans musste ich lachen, und auch über den Wortwitz, den er an den Tag legte, als er sie “von der Borelliose gepackt” nannte – aber solche Fans gibt es wahrscheinlich bei jeder Band.

Gerade wollte ich einen Kommentar schreiben und dem Autoren zu seinem sehr gelungenen Konzertbericht ein Kompliment aussprechen, da blinkte der Zähler unter dem Artikel auf. Noch jemand hatte kommentiert, genau in der Sekunde. Nur Momente später flackerte ein weiteres Icon auf, und der Artikel hatte ein erstes Like.

Ich setzte zunächst mein eigenes Like und klickte dann neugierig den anderen Kommentar an.
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JDC: Encore

– Part 1: Theme –

Jerry Rickman might have never been the sharpest tool in the shed, mind ya, but boy, he could play the saxophone just like the great ones. I’d always suspected that he’d had the stuff, the musical talent to really make it and go places, and that some day people would talk about him and name him in one sentence with Charlie Parker, Stan Getz or John Coltrane. But in all the years we toured the stages together, Ricks never showed any ambition for more. He seemed perfectly content and happy just playing along with the rest of us two-bit amateurs, who all shared the same heartbroken, drunken love for the musical style known as Jazz. And in a way, that dedication to the sound alone made him seem only more professional to me.

I hadn’t told any of the guys just why we’d been booked to this particular gig. When the request came for me and the band to play at that wedding reception, I accepted without hesitation. In fact, business had been a little slow for a while, so we took just about anything offered to us. And the job really wasn’t too hard, either. Most of the time we just eased our way through a few instrumentals on that late afternoon in May, knowing that we’d have to do a couple more lively numbers later on. After all, this was a weddin’, an’ people would wanna dance – and now we would make them swing.

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JDC: Frontiers

I never meant to leave you. If nothing else, you must believe at least this. I did not want to leave anything behind, but ultimately I had no choice. None of us do, when it’s time to pay the final bill. And the Grim Reaper isn’t someone to wait for his dues – he just takes.

I often think back to the earlier times, when I was still a kid and we used to go see my grandpa. I’ve always thought of him as the last real cowboy. And I don’t mean the type you see in the movies, like in the early ones from John Ford, I mean a REAL cowboy. He’d know what to do and how to compose himself in any circumstance. It was the kind of wisdom one gathered over the years while living on the open ranges. It was as though the rugged terrain had ingrained itself into his very being, making him not handsome, but an honest, hardened and hearty person. Just the kind my grandma could fall in love with. At least that’s how she told it to me.


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